Reiten in Island - Kriterien für eine gelungene Tour

'Weißt du wie warm es heute ist?' 'Was schätzt du?' antwortete meine isländische Begleiterin mit einem breiten Grinsen. 'Mindestens 20°C, wenn nicht sogar 25°C' war meine spontane Antwort. Die Sonne brannte aus dem tiefblau leuchtenden Himmel auf uns herab. Keine Wolke weit und breit und nicht der geringste Hauch einer kühlenden Brise. Wir hatten gerade 20 Minuten im flotten Tölt durch weitläufige Lupinenfelder zurückgelegt. Mein Körper zeigte bereits deutliche Überhitzungserscheinungen. Wenn ich mir meine Stute so ansah, war ich mit dem Problem nicht alleine. Lachend zückte sie ihr Handy und zeigte mir unglaubliche 14 °C. 'Velkomin til Íslands - Willkommen in Island' kommentierte sie lachend meine Verblüffung und weiter ging es im Galopp bergauf zum Wasserfall.

Nach diesem Ausritt stieg ich Freude strahlend vom Pferd. Es gab aber auch Touren nach denen ich dachte: 'Das Geld hättest Du dir sparen können'. Ein einziges Mal war ich sogar richtig verärgert. Doch was macht einen Ausritt zu einem schönen Erlebnis? Und wodurch passiert genau das Gegenteil?

Was macht einen Ausritt in Island zu einem schönen Erlebnis?

Erwartungshaltung

Was verspreche ich mir vom Ausritt? Fotogene Aufnahmen in einer spektakulären Landschaft? Ein schnelles oder eher ein gemütliches Pferd? Ausschließlich Schritttempo um sicher wieder zurück zu kommen oder schöne, lange Tölt- und Galoppstrecken und fordernde Wege? Wenn unterschiedliche Ansprüche aufeinandertreffen, ist bestenfalls ist einer unzufrieden, schlimmstenfalls alle. Viele Veranstalter fragen Vorkenntnisse und Reiterfahrung ab. Gute Anbieter zeichnen sich dadurch aus, dass sie daraufhin nicht nur das Pferd, sondern auch eine entsprechende Gruppe wählen.

Tipp: Teilt dem Veranstalter vor der Buchung eure Erwartungen mit und klärt, ob diese auch erfüllt werden können.

Die Ausstattung

Alles rund um (nicht unbedingt) notwendige Reitkleidung sowie Zubehör findet ihr unter: Reiten in Island? So klappt die Vorbereitung

Die eigene Fähigkeit

Wie viel Erfahrung (in Jahren) habt ihr? Wann seid ihr das letzte Mal auf einem Pferd gesessen? Reitet ihr regelmäßig (wenn ja, wie oft)? Habt ihr bereits Reiterfahrung mit Islandpferden und ihren 5 Gängen? Gibt es etwas, vor dem ihr Angst/Bedenken habt (z.B. eine schnellere Gangart als Schritt)? Habt ihr generelle körperliche Einschränkungen oder akute Beschwerden (z.B. Hörprobleme und ihr könnt die Anweisungen des Guides nur schwer verstehen o.ä.)?

Tipp: Gebt Bedenken oder Einschränkungen bei der Buchung an. Ihr schützt damit Euch und die Anderen vor Über- bzw. Unterforderung.

Das Pferd

'Ich hätte gerne den schwarzen mit der hellen Mähne (aka den windfarbenen Rappen) da vorne'
'Ich reite alles.'
'Ich möchte ein zuverlässiges, geländegängiges Pferd das gut vorwärts geht und einen bequemen Tölt hat.'
Die Antworten auf die Frage 'Welches Pferd man den möchte' sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst.
Ein Großteil der Anbieter gibt sich Mühe ein passendes Pferd zu finden. Bei Anfängern mag das relativ leicht sein. Bei Fortgeschrittenen gilt es erst herausfinden, welche Vorlieben der Gast genau hat. Hier gilt, je länger der Ritt, desto passender wird in der Regel das Pferd gewählt.

Unabhängig vom Temperament und Wesen der Pferde waren alle in einem guten bis ausgezeichneten gesundheitlichen Zustand. Ich habe es in Island noch nicht erlebt ein unterernährtes, krankes oder schwaches Pferd zu bekommen.

Tipp: Je genauer ihr die Eigenschaften benennen könnt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihr das gewünschte Pferd bekommt.

Das Wetter

Reiten im windgepeitschten, strömenden Regen, dick verpackt in wasserdichtem Ölzeug, welches das Aufsteigen aufs Pferd unglaublich erschwert. Die Hände klamm und eiskalt in den durchweichten Handschuhen. Immer wieder überprüfend, dass die Hosenbeine auch wirklich über die Schuhe gehen und sich nicht in einen Trichter zum Befüllen derselben wandeln.

Klingt erst einmal nach einem 'schrecklichen' Ritt. Tatsächlich erinnere ich mich, wie ich überglücklich unter meinem vor Wasser triefenden Reithelm hervor strahle. Es war während einer 7-tägigen Reittour (da kann man sich das Wetter nicht aussuchen). Wir hatten eine lange Töltstrecke zurückgelegt. Durch saftig grün bewachsene Sanddünen führte ein steiler Weg hinab. Der Regen schlug ins Gesicht, der Wind pfiff um die Ohren und die Pferde warfen den schwarzen Sand auf als es im Galopp über den unendlich scheinenden Strand die letzte Etappe Richtung Meer ging.

Tipp: Um Missverständnisse auszuräumen. Nein - ich buche nicht bewusst Ausritte im Regen. Im Gegenteil, bevor ich Kurzritte buche, schaue ich vorher im isländischen Wetterorakel unter verdur.is nach, ob es trocken bleibt und bestenfalls die Sonne scheint.

Tipp: Sollte doch Regen gemeldet sein, bieten die meisten Ställe leihweise Ölzeug an. Auch das ist ein Thema, das ihr vor der Buchung abklären könnt um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

Der Guide

Die Verantwortung, dass alle Teilnehmer eine schöne Zeit haben, sowie gut und sicher wieder nach Hause kommen lastet auf den Schultern der Begleiter. Spannend ist jedes Mal wie viel der Begleiter sich und der Gruppe zutraut. Es hatte erfahrene, sichere Guides, die mich - selbst auf einem zwei Stundenritt - reiterlich gefordert und weitergebracht haben. Dann gab es welche, mit denen hatte ich einfach eine wunderschöne Zeit. Und zu guter Letzt habe ich auch ein einziges Mal erlebt, dass jemand schlichtweg überfordert war. Es ist nichts passiert - aber wohl und sicher fühlen geht anders.

Die 'Anderen' bzw. deren Abwesenheit

Glück ist, zum vereinbarten Zeitpunkt am Hof anzukommen und feststellen, dass man der einzige Teilnehmer ist. Doch leider passiert das nur selten. Ansonsten muss sich die Gruppe immer am Schwächsten ausrichten - Egal ob ein 'experienced ride' gebucht wurde, oder nicht. Auch dieses Jahr mogelte sich eine Teilnehmerin in eine Fortgeschrittenengruppe. Sie hatte vor 30 Jahren das letzte Mal auf einem Pferd gesessen. Beim Aufsteigen benötigte sie schon deutlich Hilfe. Nach 10 Minuten erklärte sie, dass Schritt das schnellste Tempo sei, dass sie sich zutraute. Das war dann für alle ein 'Nur-Schritt-Ritt'. Weshalb das passiert ist, kann ich nicht sagen. Hatte der Hof nicht richtig gefragt? War es dem Veranstalter egal? Hatte sie falsche Angaben gemacht? Hat sie es wirklich erst gemerkt als sie auf dem Pferd saß?

Tipp: Bei langen Touren könnt ihr das Thema ansprechen. Oft git es die Möglichkeit ändernd einzugreifen. Bei einem kurzen Ritt habt ihr keine Chance - Der ist einfach vorbei.

Eine kleine Checkliste für die Auswahl

Vor einer Buchung schwirren etliche Gedanken durch meinen Kopf. Als kleine Checkliste helfen sie Euch vielleicht euren Ausritt in Island zu einem unvergleichlichen Erlebnis werden zu lassen:

  • Wo und wann möchte ich reiten?

    Gibt es ein spezielles Ziel wie z.B. Þórsmörk, schwarzer Strand in Vík o.ä.? Gibt es eine bestimmte Jahreszeit (Schafabtrieb im Herbst)? Oder eine bestimmte Tageszeit (Ebbe/Flut bei am Strand)? Wie passt es zeitlich am Besten in meine Urlaubsplanung? Wie weit ist die Anfahrt? Brauche ich dafür einen 4x4?

  • Wie lange möchte ich reiten?

    Nur kurz ein paar Stunden, einen Tagesritte oder eventuell eine ganze Woche?

  • Wie hoch sind die Kosten?

    Abhängig von Region, Bekanntheit der Gegend und Größe des Anbieters gibt es merkbare Schwankungen. Ein Vergleich lohnt sich. Billiger ist nicht zwangsläufig schlechter, sondern eventuell nur abgelegener und familiärer.

  • Wie sind die Bewertungen?

    Im Prinzip liegen die Rezensionen im Schnitt bei 4,7 und höher. Interessant ist für mich nur, wenn mehrere Leute über Jahre verteilt immer wieder einmal unzufrieden waren. Dann ist es keine Momentaufnahme oder ein bestimmter Guide, sondern vermutlich etwas Grundsätzliches.

  • Ist es möglich? (Anfrage 1-2 Tage voraus)
  • Sobald ich mich entschieden habe, geht es noch darum ob die Tour an dem Tag durchgeführt wird. Es passiert nicht selten, dass Pferde und Guides auf einer Wochentour unterwegs sind. In diesem Zeitraum entfallen dann oft sowohl die Stunden- als auch die Tagesritte. Weit verbreitet ist auch die Mindestteilnehmerzahl von 2 Personen. Das bedeutet manchmal warten, bis sich eine zweite Person anmeldet oder auch nicht.

  • Gibt es einen Hot Pot in der Nähe (Entweder in der Natur oder in einem Schwimmbad)?

    Das ist mein persönliches Sahnehäubchen: Nach dem Ritt ein wohltuendes Bad im Hot Pot. Egal wie lange ich auf dem Rücken eines Pferdes unterwegs war, diese Methode zaubert jegliche Verspannung oder Muskelkater einfach weg.

  • Wie ist das Wetter? (1 Tag vorher)
  • Wie beschrieben befrage ich den isländischen Wetterdienst unter verdur.is ob es trocken bleibt und bestenfalls die Sonne scheint.

Schwarzer Strand und heiße Quellen. Reiten im Süden.

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