Offroad im isländischen Hochland. Für welchen Geländewagen ich mich entschieden habe und weshalb.

10. Mai | 2020

Welche Kriterien sollte mein Geländewagen erfüllen?

Im Oktober 2019 fasste ich den Entschluss die Sommermonate 2020 in Island zu verbringen. Blog: Projekt Mitternachtssonne 2020. Der Plan war Island mehrere Wochen zu bereisen und dabei so gut es geht unabhängig zu sein. Dabei wollte ich in der Lage sein flexibel und ungebunden übernachten zu können. Zusätzlich hatte ich mir vorgenommen einige der F-Roads (F -"Fjallvegur" - Bergstraße) zu befahren um das isländische Hochland zu durchqueren.

Offroad-Fahren im isländischen Hochland

Die Idee die sich daraus ergab, war ein Auto zu kaufen das folgende Kriterien erfüllte:

  1. Geländegängigkeit für das Fahren abseits befestigter Straßen (Allradantrieb, Sperrdifferential, hohe Wattiefe 1 )
  2. Großzügiges Raumangebot, damit man es so umbauen kann, dass eine Person bequem darin schlafen kann

1 Wattiefe gibt die maximale Gewässertiefe an, die von einem Fahrzeug durchfahren werden kann.

Eine zusätzliche 'Es wäre schön, wenn...' Anforderung war, dass es nicht höher als 190 cm sein sollte. Hintergrund war der Fährpreis nach Island. Für die Überfahrt werden Fahrzeugpakete angeboten. In der Hauptsaison 2020 liegt dieser bei 995€ pro Person für einen PKW bis maximal 190 cm Höhe und 500 cm Länge und einer Buchung für 2 Personen. Die nächste Kategorie Wohnmobil kostet dann schon 1.890 € pro Person. Die Preise sind etwas versteckt auf den Seiten 10 und 11 im Katalog der Smyril Line versteckt.

Was stand (für mich) zur Auswahl?

Nachdem der Entschluss gefasst war einen Geländewagen zu kaufen, begann ich die in Frage kommenden Hersteller und Modelle zu recherchieren. In Island fährt bei den Einheimischen gefühlt jeder 10te einen Toyota Land Cruiser und bei den Touristen habe ich den Jeep Renegade bzw. den Suzuki Jimny am häufigsten wahrgenommen. Also standen diese drei ganz oben auf meiner Liste.

Jeep Renegade bzw. Wrangler

Das Modell Renegade (480 mm Wattiefe) scheiterte am Platzangebot. Vielleicht kann man darin einmal eine Nacht schlafen, aber keine 10 Wochen. Das größere Modell, der Jeep Wrangler hatte die von mir gewünschte Größe. Der Neuwagen den ich Probe fuhr, fiel allerdings bei der Testfahrt durch. Die ersten paar Minuten dachte ich, das wird schon noch, aber es wurde nicht mehr. Puristische Innenausstattung, unhandlich, latentes Fahrverhalten und extrem laut. Der Jeep mag im Gelände Klasse sein, im normalen Straßenverkehr ist er eine Herausforderung.

Landrover Defender

DER Klassiker (500 mm Wattiefe). Bei Mobile.de hatte ich auch ein interessantes Exemplar (Land Rover Defender 110 DPF 2,2 Stationwagon) gefunden, welches ich gerne Probe gefahren wäre. Allerdings war der Händler offensichtlich nicht wirklich an einem Verkauf interessiert (Er war trotz mehrfacher Versuche nicht erreichbar). Hinzu kam, dass Landrover im Frühjahr 2020 ein komplett neues Defender-Modell auf den Markt brachte und kein Vertragshändler 'den Alten' mehr führte. Darüber hinaus wäre das Modell mit 197cm zusätzlich auf der Fähre in eine höhere Preiskategorie gerutscht.

Suzuki Jimny

Für meine Anforderungen zu klein und bei einer Lieferzeit von einem Jahr hätte ich das Auto sowieso nicht bis Mai 2020 bekommen. (400 mm Wattiefe)

Mercedes G-Klasse

Die zu dem Zeitpunkt verfügbaren Fahrzeuge lagen nicht ganz in meinem Budget.

Toyota Landcruiser

Zufällig erschien Mitte November 2019 die Annonce eines Händlers aus meiner Gegend im Internet. Ein Toyota Land Cruiser 3.0 mit Executive- und Gelände-Paket stand zum Verkauf. Zwei Tage später fuhr ich ihn Probe und hatte bereits nach der ersten Minute ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen.

Der Land Cruiser fährt einfach wie ein Auto und nicht wie ein Bagger. Durch das Executive-Paket habe ich so viel Komfort wie ich noch nie vorher gehabt habe und mit dem Gelände-Paket bekomme ich genau die Technik (Allradantrieb, Sperrdifferential), die mich sicher durch das isländische Hochland bringen wird. Nach der Probefahrt war klar, dass es für mich und meine Anforderungen das ideale Fahrzeug ist. Und als 'Goodie' obendrauf hat er eine Höhe von 189 cm und eine Wattiefe von 700 mm.

Zusatz: Ein Schnorchel

Beim Kauf des Land Cruisers orderte ich gleich den Einbau eines Ansaugschnorchels mit. Der Schnorchel verlagert den Lufteintritt nach oben und sorgt auch bei tieferen Wasserdurchfahrten dafür, dass der Motor unbehindert funktioniert. Leider verzögerte sich der Einbau des Taubenreuther Safari Schnorchels auf Grund der Waldbrände in Australien (Lieferanten ARB/Rhino-Rack) um ein paar Wochen. Am 24.01.2020 konnte ich meinen Geländewagen inklusive Schnorchel zulassen.

Gemachte Erfahrungen in den ersten Monaten

VW vs. Toyota

Wie soll ich sagen - ich hatte keine Ahnung wie kreativ Autohersteller darin sind, Knöpfe, Hebel und Schalter anders anzuordnen und zu belegen. Als genormter VW Fahrer war es eine echte Herausforderung die einfachsten Dinge wie Scheibenwischer oder Licht zu finden und richtig zu bedienen. Aber man wächst ja bekanntlich an seinen Herausforderungen. Der permanente Wechsel zwischen Schalt- und Automatikgetriebe verlief hingegen erstaunlich reibungslos.

Verbrauch

Angeblich sollte der Verbrauch 10 l (Diesel) betragen. Bei der Probefahrt zeigte der Blick auf den Durchschnittsverbrauch der letzten Wochen ehrliche 13,8 l an. Mir war also beim Kauf klar, worauf ich mich da einlasse. Aktuell liegt der Mittelwert bei 12,5 l - allerdings mit einer 'Ganz vorsichtig und permanent im grünen ECO Modus'-Fahrweise und viel Autobahn.

Steuer und Versicherung

Die KFZ-Steuer für den Toyota beträgt 460 Euro. Die Versicherungssumme hängt natürlich von der persönlichen SF-Klasse, der Regionalklasse und dem Versicherer ab. Was ich nicht wusste war, dass es ein Problem sein kann überhaupt eine Versicherung zu finden. Mein bisheriger Versicherer lehnte einfach ab. Auch der Hinweis, dass ich dann die bestehenden Verträge abziehen werde, half nichts. Es war der 26. November. Das bedeutete ich hatte 4 Tage Zeit bis zur Deadline am 30.11. bestehende Verträge zu kündigen, einen neuen Versicherer (der auch den Land Cruiser aufnimmt) zu suchen und die Verträge so umzuändern, dass am Ende die kostengünstigste Variante herauskam. Es waren viele Stunden bis weit nach Mitternacht die ich während dieser Tage in Internetportalen oder auf den Seiten der Anbieter verbracht habe. Schließlich fand ich eine Lösung bei der 3 bestehende bzw. ruhende Verträge zum Jahreswechsel gekündigt und bei einem anderen Anbieter neu abgeschlossen werden mussten. Ich bin bis heute noch angenehm überrascht, dass die Umsetzung völlig reibungslos funktioniert hat.

Die Lösung des Rätsels

Als ich mein Auto im Januar beim Händler abholte, lichtete sich auch das Geheimnis um den Grund weshalb einige Versicherungen den Toyota Landcruiser ablehen. Das Auto stand vollkommen zugeparkt auf dem ansonsten leeren, öffentlich zugänglichen Hof. Ich wunderte mich ein bißchen und fragte nach weshalb das so sei. Die Antwort erklärte so manches: Der Land Cruiser ist sehr begehrt und wird überdurchschnittlich oft gestohlen. Deshalb musste der Händler das Auto diebstahlsicher zuparken, wenn es nachts alleine auf einem unbewachten Platz steht.

Toyota Land Cruiser 3.0

Offroad

Als Vorbereitung zum Offroadfahren in Island hatte ich ein Tagestraining in einem stillgelegten Steinbruch gebucht. Wie viele andere Dinge musste es im Frühjahr 2020 auf Grund der Corona Pandemie abgesagt bzw. auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Daher konnte ich mir zum Verhalten im Gelände bisher noch keine Meinung bilden.

Fahrspaß

Das zufriedene Lächeln auf den Lippen während der Probefahrt hat sich gehalten. Abgesehen vom Verbrauch ist es ein tolles Gefühl mit dem Land Cruiser unterwegs zu sein. Irgendwie wirkt das Auto beruhigend und entspannend. Die linke Spur lässt mich vollkommen kalt während ich gemütlich vor mich hin tuckere, wohl wissend, dass ich mit den 190 PS könnte wenn ich wollte. Die Vorstellung damit unbeschwert durch die faszinierende isländische Landschaft zu 'cruisen' macht aus dem zufriedenen ein strahlendes Lächeln.

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