Umbau eines Toyota Land Cruiser zum Camper - Die flexible Liegefläche

Individuell, kreativ und maßgeschneidert

14. Juni | 2020

F-Road-Fahren im isländischen Hochland

Welche Kriterien sollte die Liegefläche erfüllen?

Der Ausbau sollte auch nach dem Ende des Islandaufenthalts in dem Land Cruiser bleiben. Trotzdem sollte das Auto kein Einsitzer werden, sondern mindestens Platz für 2 weitere Personen bieten. Damit der Beifahrersitz weiterhin nutzbar bleibt, durfte die Liegefläche nur maximal 180 cm lang werden. Für eine Körpergröße von 170 cm ist das allerdings viel zu kurz um angenehm schlafen zu können. Folglich benötigte ich eine flexible Erweiterung, welche die folgenden Kriterien erfüllen musste:

  1. Verlängerung der Liegefläche auf 200 cm
  2. Stabil und tragfähig
  3. Leicht an- und abzubauen bzw. zu verstauen

Mag einfach klingen, war es aber nicht. Die Anforderung "Stabil und tragfähig" widersprach irgendwie immer dem Thema "leicht". Wir probierten verschiedene Ansätze, doch mindestens ein Haken fand sich immer. Erschwerend kam hinzu, dass das Grundgerüst 6 cm vor der Mittelkonsole endete. Die Erweiterung musste zwangsläufig über die Konsole ragen, durfte aber nur 3 cm hoch sein, damit sie auf dem Niveau der Liegefläche blieb. Das machte die Sache nicht wirklich einfacher. Am Ende aller Überlegungen stand eine Lösung mit Linsenkopfbeschlägen und Stahlwinkeln.

Linsenkopfbeschläge, Stahlwinkel und eine weitere Sperrholzplatte

Wir besorgten im Baumarkt eine weitere Sperrholzplatte (1.200 x 600 x 12 mm). Die beiden Winkel und genügend Schrauben hatten wir bereits. Aus dem vom Grundgerüst übrigen Holz, schnitten wir mit der Akku Handkeissäge passende Rahmen. Die Stahlwinkel wurden mit jeweils 4 Schrauben daran befestigt. Auf die Rückseite kamen zwei Schrauben in den zu den Linsenkopfbeschlägen passenden Abstand.

Die Materialkosten für die Erweiterung lagen bei rund 28 Euro.

Zurück auf Null

Am Grundgerüst mussten an der Stirnseite Vertiefungen gebohrt werden um sie im Anschluss mit den Linsenkopfbeschlägen zu verblenden. Jeweils 2 pro Balken. Beim Rechten war das gut machbar. Der Beifahrersitz wurde auf Anschlag nach vorne gefahren und die Arbeit konnte beginnen. Vor dem Linken befand sich allerdings die Mittelkonsole. Wie erwähnt beträgt der Abstand 6 cm. Somit hatten wir nicht einmal den Hauch einer Chance dort zu bohren oder zu schrauben. Die folgende Stunde verbrachten wir mit dem notwendigen Ausbau des vorderen Bereichs der Konstruktion, dem Anbringen der beiden Linsenkopfbeschläge und dem Wiedereinbau der Balken und Bretter.

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Wohin mit dem Kopfteil?

Für die erweiterte Auflagefläche verschraubten wir 2 Sperrholzplatten. Die obere hat einen 2 cm breiten Überstand zur Auflage auf dem Grundgerüst. Auf der Rückseite wurden, entsprechend dem Abstand der vorhandenen Löcher der Stahlwinkel, 4 Schrauben angebracht mit denen sich das Brett in den Stahlwinkeln arretieren lässt. Die Konstruktion hält bombenfest. Doch wohin dem Kopfteil wenn ich fahre?

Der beste Platz der sich anbot, war der untere Bereich neben dem Rücksitz. Hier hatten wir sowieso noch die Aufgabe, die dort verstauten Gegenstände zu sichern. Also zwei Fliegen (Aufbewahrung und Sicherung) mit einer Klappe. Um die Platte auf einer Höhe zu halten, befestigten wir darunter eine passgenau zugeschnittene Sperrholzplatte. Zur Fixierung wählten wir zwei Metallbügel. Der Obere ist ca. 10 cm tief in die Platte eingelassen. Der Unteren kann seitlich weggeschwenkt werden um das Kopfteil zu entnehmen. Das Material kam aus der 'Das-kann-man-vielleicht-noch-einmal-für-irgendetwas-brauchen'-Kiste.

Alarm, Alarm - Probeliegen im Land Cruiser

Nach dem Arbeitseinsatz kam der Putzeinsatz. Auch wenn die Sägearbeiten außerhalb des Autos stattfanden, allein durch das Vorbohren der Schrauben sowie das ständige Ein- und Aussteigen kam so viel Dreck in den Land Cruiser, dass der Einsatz des Staubsaugers sowie des Staubwedels unausweichlich war. Frei nach dem Sprichwort "Nach getaner Arbeit ist gut ruhen", klappte ich die Liegefläche aus, legte die Matratze darauf, schloss das Auto mit der Schlüsselfernbedienung und genoss den Moment. Exakt 30 Sekunden.

Urplötzlich durchdrang ein ohrenbetäubender Lärm die Stille. Es dauerte ein wenig, bis ich realisierte, dass die Alarmanlage des Land Cruisers angeschlagen hatte. Aber weshalb? Es war weit und breit Nichts zu sehen. Ich beendete das Getöse und legte ich mit klopfendem Herzen wieder hin. Doch das Spiel wiederholte sich. Langsam dämmerte es mir, dass das Auto wohl eine Innenraumüberwachung hat. Nicht irgendetwas, sondern ich hatte durch eine Bewegung den Höllenlärm ausgelöst. Erst die Bedienungsanleitung brachte Klarheit. Um die Überwachung zu deaktivieren, muss man den Land Cruiser am Schalter der Fahrertüre von innen verriegeln. Die Alarmanlage wird nur beim Schließen über die Fernbedienung aktiviert.

Was bisher geschah

In älteren Beträgen findet ihr alle Informationen zur Kaufentscheidung (Weshalb gerade der Toyota Land Cruiser?), dem Bau der Grundkonstruktion sowie der Herausforderungen beim Innenausbau.

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