Autofahren in Island - Regeln und Gefahren

Für mich ist Fahren in Island in vielen Bereichen entspannter als im Rest der Welt. Als Gegensatz dazu birgt es an manchen Stellen auch gewisse Herausforderungen und unter Umständen sogar lebensgefährliche Risiken. Auf dieser Seite findet ihr meine persönliche Liste an Tipps und Wissenswertem. Die neuen islandischen Verkehrsgesetze ab 1. Januar 2020 sind bereits berücksichtigt.


Vorab die wichtigsten Links:


Allgemein

In Island wird auf der rechten Straßenseite gefahren. Auf allen Plätzen gilt Anschnallpflicht und die Benutzung eines Handys während der Fahrt (ausgenommen Freisprecheinrichtung) ist verboten. Leider oft übersehen oder vergessen wird die allgemeine Lichtpflicht. Es muss tagsüber mit eingeschaltetem Abblendlicht gefahren werden.

Island: Tempo 90 auf der Landstraße. Entgegenkommendes Auto vorschriftsmäßig mit Abblendlicht.
Tempo 90 auf der Landstraße. Entgegenkommendes Auto vorschriftsmäßig mit Abblendlicht.

Geschwindigkeit und Blitzer

In Ortschaften gilt die Höchstgeschwindigkeit 50 km/h. Auf geteerten Straßen außerhalb von Ortschaften 90 km/h und auf Schotterpisten 80 km/h. Ab Januar 2020 erfolgt die Erhöhung der Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 110 km/h (68 mph), wenn die entgegengesetzten Fahrspuren getrennt sind und die Bedingungen dies zulassen.
Über das ganze Land verteilt, sind zahlreiche stationäre Radarkontrollen platziert. Wenn man einmal weiß, wie diese Geräte aussehen, kann man sie auf Grund der weitläufigen Landschaft frühzeitig gut erkennen. Weniger auffällig sind die mobilen Messgeräte, die ebenfalls zum Einsatz kommen. Ein Geschwindigkeitsverstoß kann ziemlich teuer (zwischen 100 und 400 Euro) werden.


Stau

Stau gibt es "gefühlt" nicht. Zumindest für geplagte Pendler aus europäischen Festlandsmetropolen. Isländer sehen das anders. Der Verkehr in der Hauptstadt fließt zwar meist ungehindert, dennoch gibt es gerade zur Rushhour Stellen (z.B. morgens vom Vorort Mosfellsbær ins Zentrum) an denen es sich ballt. 2019 war im Gespräch eine sogenannte Rush Hour and Pollution Toll einzuführen, um den Autoverkehr zu verringern. Die Maut soll dabei elektronisch und nur in Spitzenzeiten erhoben werden. Bisher erfolgte noch keine Umsetzung dieser Pläne.

Stau auf der Ringstraße an einer Baustelle
Stau auf der Ringstraße wegen...
Stau auf der Ringstraße an einer Baustelle
...Blockabfertigung an einer Baustelle.
Normalerweise freie Fahrt
Normalerweise hat man freie Fahrt

Kreisverkehr

Was viele Autofahrern auch zu Hause oft nicht beachten ist: Blinken, nicht beim Einfahren, sondern nur beim Verlassen des Kreisverkehrs. Was in Island aber komplett anders als im Rest der Welt ist und sich auch zum Januar 2020 nicht ändern wird, ist die Regel, dass Fahrer auf der äußeren Fahrspur denen auf der inneren Fahrspur Vorfahrt gewähren müssen. Ein Fahrer, der in einen Kreisverkehr einfährt, muss die äußere Fahrspur benutzen, wenn er die erste Ausfahrt nehmen möchte. Nicht nur Urlauber, sondern auch ein selbstfahrender Tesla, hatte so seine Schwierigkeit mit diesem System (Bericht).


Straßen

Island hat ein gutes, durchgängig ausgebautes Straßensystem. Dieses unterteilt in Nationalstraßen (national roads), kommunale Straßen (municipal roads), öffentlichen Wegen (public paths) und Privatstraßen (private roads). Für Urlauber viel wichtiger sind jedoch die folgenden inoffiziellen Kategorien:

1. Straßen, die man problemlos mit einem normalen (Miet)wagen fahren kann.
Dazu gehören alle Straßen in Reykjavik und anderen Städten sowie die Ringstraße und in Summe nahezu 4.500 km an 'primary road'

2. Straßen, die man mit einem normalen (Miet)wagen fahren darf, aber bei denen eine gute Versicherung wichtig ist.
Dazu gehören alle Schotterstraßen, die nicht ausdrücklich für PKWs gesperrt sind. Oft trifft man auf solche Pisten, wenn man die Ringstraße verlässt, um zu einer Sehenswürdigkeit zu gelangen. Es empfiehlt sich, sehr langsam und vorsichtig zu fahren.Meistens sind die Strecken einspurig und alle paar 100m mit Ausweichplätzen versehen.

Schotterpiste zum Hópsnesviti Leuchtturm auf der Reykjanes Halbinsel
Schotterpiste zum Hópsnesviti Leuchtturm auf der Reykjanes Halbinsel

3. Straßen, die man ausschließlich mit einem geeigneten, geländegängigen Fahrzeug befahren darf.
Dazu gehören alle Straßen die ein "F" vor der Nummer haben (F-Roads). Ansonsten gilt, sobald das Schild "Illfær vegur " (Schlechter Weg) erscheint, ist "Ende Gelände" für normale PKWs

4-Wheel-drive-only

Schwierige Straße, 4x4 Antrieb notwendig

Ab diesem Schild dürfen nur noch Autos mit Allradantrieb (AWD - All Wheel Drive), 4×4 (englisch Four by Four) und 4WD (Four Wheel Drive) fahren. Fahrzeuge ohne diese Ausstattung müssen umkehren.

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Übergang zur Schotterstraße

Wenn eine asphaltierte Straße plötzlich zur Schotterpiste wird, muss der Fahrer die Geschwindigkeit entsprechend reduzieren. Ansonsten droht ein Ausbrechen des Wagens bis hin zum Kontrollverlust über das Auto.

Viele der F-Straßen führen durch das isländische Hochland. Sie sind nur an wenige Wochen im Jahr für den Verkehr freigegeben und befahrbar. Wann die einzelnen Pässe geöffnet werden, kann man unter road.is erfahren.


Off-road

Fahren abseits der Straßen ist in Island strengstens verboten. Die Natur, vor allem das berühmte isländische Moss, braucht Jahrzehnte um sich von einer Schädigung zu erholen. Die Strafen sind entsprechend hoch. Die Mindeststrafe beträgt 350.000 ISK (2.477 EUR, 2.781 USD) und häufig werden höhere Strafen verhängt. Negative Schlagzeilen machte im Juni 2019 ein russischer "Influencer" als er mit einem Miet-SUV eine der schönsten Landschaften bei Mývatn für ein Instagram-Foto ruinierte. Seine Geldstrafe betrug 450.000 ISK (3.600 USD / 3.200 EUR).


Ringstraße

Was für eine Amerikareise die Route 66 ist, ist für Island die Ringstraße (Hringvegur). Als Straße mit der Nummer 1 führt sie seit 2019 durchgehend asphaltiert über eine Länge von 1350 km einmal rund um die Insel. Beliebt ist sie vor allem deshalb, weil sich an ihr viele der bekannten Sehenswürdigkeiten aneinanderreihen und sie mit jedem beliebigen Mietauto ohne Einschränkung befahren werden kann. Auch auf Fahrradfahrer aus aller Welt übt sie einen unwiderstehlichen Reiz aus.

Fahrradfahrer auf der Ringstraße
Unerschrockene Fahrradfahrer aus aller Welt trotzen Wetter und Verkehr auf der Ringstraße

Die Ringstraße sowie alle anderen Hauptstraßen (Primary roads) sind durchgängig in jede Richtung mindestens einspurig ausgebaut. Lediglich an Engstellen oder Brücken muss man sich mit dem Gegenverkehr - sofern vorhanden - arrangieren. Angezeigt wird das immer durch ein Schild wie "Einbreið brú" - einspurige Brücke oder "Einbreið göng" - einspuriger Tunnel.

island-Bruecke-einspurig

Einspurige Brücke

Auf den Landstraßen gibt es immer wieder einspurige Brücken oder Tunnel. In so einem Fall muss die Geschwindigkeit deutlich reduziert werden, um gegebenenfalls in der Einbuchtung anzuhalten. Als Regel gilt: Wer zuerst an der Engstelle ankommt, hat Vorfahrt.


Alkohol

Bisher war der maximale Blutalkoholspiegel bei 0,05%. Ab 01. Januar 2020 wird er auf 0,02% gesenkt. Das Strafmaß bleibt jedoch bei 0,05%, was bedeutet, dass Fahrer nur dann bestraft werden, wenn ihr Wert über 0,05% liegt.


Rastplätze und Toiletten

In den ländlichen Gebieten sind Toiletten absolute Mangelware. Leider noch ein Geheimtipp ist die Betaversion Road Network Viewer. Öffnet man die Anwendung, so kann man im Menü unter "Layers" den Haken bei "Rest areas" setzen. Durch Klick auf das Logo erhält man weitere Informationen u.a. die Anzahl der Toiletten (Ist keine aufgeführt, gibt es auch keine).

Doch bis diese Anwendung weitere Verbreitung findet oder die Anzahl der öffentlichen Toiletten weiter erhöht wird, wird dies sowohl für Einheimische als auch für Urlauber ein permanentes Thema bleiben. Isländer haben durchaus Verständnis für die Not und Bedürfnisse der Touristen. Kein Verständnis gibt es jedoch für die "Hinterlassenschaften". Es ist einfach unerklärlich, weshalb es vielen nicht möglich ist, die sichtbaren Spuren - biologisch abbaubar hin oder her - in eine kleine Tüte zu packen um den Platz so zu hinterlassen, wie man ihn vorgefunden hat. Dabei ist es egal, ob es sich um Essensreste, Müll oder das Endergebnis der Verdauung handelt.

Toilettenhäuschen an der Ringstraße
Toilettenhäuschen an der Ringstraße
Picknick Area am Þingvallavatn
Picknick Area am Þingvallavatn

Wind

Während eines Sturms können durchschnittliche Windgeschwindigkeiten von 50 m/s auftreten. Unvergessen bleibt mir der Weg zum Tröllkonuhlaup, als sich die geteerte Fahrbahn wie aus dem Nichts für 500 m in eine unbefestigte Sandpiste verwandelte. Auf dem kaputten Abschnitt sah man den Asphalt zertrümmert etwa 2 Meter neben der Straße liegen. Ein starker Wind hatte an einem stürmischen Tag den Fahrbahnbelag einfach abgehoben und sauber daneben wieder abgelegt. Bei solchen Kräften kann man leicht nachvollziehen, dass es zu schweren Unfällen - vorzugsweise mit Wohnmobilen oder Lastern - kommt. Diese werden von Windböen wie aus dem Nichts einfach "umgeworfen" und von der Straße gefegt.
Nicht ganz so dramatisch aber durchaus häufig und ärgerlich ist ein Schaden, den man durch das Öffnen der Autotür bei windigem Wetter verursacht hat. Während man bei einem Sturm noch damit rechnet, passiert es meistens unerwartet, dass einem der Wind beim Aussteigen nahezu die Tür aus der Hand reißt. Idealerweise überprüft man vorher die Windrichtung und parkt das Auto so, dass die Tür gegen den Wind gerichtet ist.


Tagesaktuelle Straßenverhältnisse

Auf Grund von Witterung (Winterstürme oder -sperren) oder unberechenbarer Naturkatastrophen (Vulkanausbrüche, Gletscherläufe) kann es immer wieder vorkommen, dass Teile des Straßensystems gesperrt oder zerstört sind. Eine gute Informationsquelle über den tagesaktuellen Straßenzustand findet man unter safetravel.is bzw. die Warnungen unter vedur.is.

Island im Nebel mit Sichtweite unter 10m
Wie man sieht, sieht man nichts. Island im Nebel mit einer Sichtweite unter 10m.

Sand- oder Aschesturm

Sand- oder Aschestürme treten normalerweise auf Grund starker Winde im Frühling oder Herbst auf. Wenn es nur wenig Niederschlag gab, kann es bereits ab einer Windgeschwindigkeit von 7-8 m/s passieren, dass die trockene Erde oder Asche zu einem Sturm aufgewirbelt werden. Die meisten Stürme entstehen im Süden und Südosten des Landes. Am gefährdetsten ist Landeyjarsandur. Sollte man das Pech haben, in einen Sandsturm zu geraten, ist es ratsam möglichst langsam zu fahren und dabei als akustisches Warnsignal für andere Autos immer wieder zu hupen. Vielleicht findet man auch irgendeine Möglichkeit sich unterzustellen, wie z. B. ein Haus oder eine Wand. Hier kann man sich ansehen, wie ein Auto nach einem isländischen Sandsturm aussieht


Navigation

Die günstigeren Mietwägen besitzen kein Navigationssystem. Beim ersten Islandaufenthalt wollte ich deshalb unser mobiles Gerät mitzunehmen, bis ich feststellen musste, dass für den Hersteller Island offensichtlich nicht zu Europa gehört und es keine entsprechenden Karten gab. Plan B war Google Maps und eine Handyhalterung für die Windschutzscheibe. Die gibt es je nach Typ für ca. 10-18 Euro. Die notwendigen Karten habe ich mir bereits zu Hause heruntergeladen und die bekannten Ziele als Favorit gespeichert. Um unabhängig von einer Internetverbindung zu sein bzw. um kein unnötiges Byte meines begrenzten Datenvolumen zu verbrauchen, nutze ich Google Maps immer im Offline Modus. Der Nachteil dabei ist allerdings, dass man keine Informationen zur Verkehrslage erhält. Die Suchen nach Orten und die Navigation funktionieren jedoch einwandfrei. Und wie erwähnt - es gibt keinen Stau. Bei Google Support findet ihr eine Beschreibung wie man Google Maps offline nutzen kann

Island verwirrendes Straßenschild
Für Ortsfremde nicht sofort verständlich.
Plan B: Handy mit Saugnapfhalterung für die Windschutzscheibe und Google Maps im Offline Modus
Plan B: Handy mit Saugnapfhalterung für die Windschutzscheibe und Google Maps im Offline Modus

Was tun im Notfall?

Die Notrufnummer ist weltweit die 112, auch in Island. Diese Nummer sollte immer dann verwendet werden, wenn Personen verletzt oder in Gefahr sind. Gibt es ein Problem mit dem Auto, kontaktiert man am besten den Vermieter. Diese bieten im Normalfall eine 24-h Hotline an. So etwas wie den ADAC gibt es in Island nicht. Als Ersatz kann man sich an safetravel.is +354 570 5929 wenden, um Informationen über die nächste Servicestation oder Werkstatt zu bekommen.


Tiere auf der Fahrbahn

In Island sind Schafe oder auch andere Tiere Verkehrsteilnehmer und haben, ausgenommen auf der Ringstraße, Vorfahrt. Wenn also Schafe, Kühe, Pferde oder andere Tiere am Straßenrand zu sehen sind, gilt es den Fuß vom Gas zu nehmen. Gerade bei Mutter- und Jungtieren passiert es nicht selten, dass einer urplötzlich die Straße überquert. Fährt man ein Tier an, muss man es melden und den Schaden übernehmen.

Island Schild: Achtung freilaufende Tiere
Gänse mit eigenem Warnschild
Gänse mit eigenem Warnschild...
Gänse mitten in Reykjavik neben der zweispurigen Schnellstraße
... und das Ganze mitten in Reykjavik, neben der zweispurigen Schnellstraße

Unübersichtliche Straßenkuppe

Wer auf dieses Schild zufährt, sollte sich auf Gegenverkehr einstellen, den man erst in letzter Sekunde sieht. Auch hier gilt es die Geschwindigkeit zu reduzieren und möglichst weit rechts zu fahren.

Island Schild: Achtung unübersichtliche Straßenkuppe

LOKAÐ, ÓFÆRT, HÆTTA oder KÖTLUGOSI

Zum Schluss noch ein paar wichtige isländische Worte. Sollte man diese an einer Straßensperre sehen, heißt es umkehren. LOKAÐ (geschlossen), ÓFÆRT (unpassierbar), HÆTTA (Gefahr) und KÖTLUGOSI (Vulkanausbruch).


Video Quelle: YouTube
Video Quelle: YouTube

Góða ferð!