Jökulsárlón und Diamond Beach

'Das ist zu viel weit', entgegnete ich. 'Nein, wenn wir sehr früh starten und uns beim Fahren abwechseln, schaffen wir das an einem Tag.' Die Diskussion kreiste um eine Tagestour von Reykjavík zur Gletscherlagune Jökulsárlón. Das Navi zeigte 5 Stunden Fahrtzeit für die 380 km Ringstraße an. Hin und zurück folglich 10 Stunden plus mindestens 30 Minuten Pause für Tanken und 'Beine vertreten' - und - eigentlich will man ja auch etwas sehen, wenn man dann 'mal dort ist... Nun gut, es war erst Anfang August. Dadurch hatten wir mindestens 17 Stunden Tageslicht (5.00 Uhr -22.00 Uhr) - und - zugegebenermaßen ist die Gletscherlagune unangefochten eins DER Highlights Islands. So ließ ich mich breitschlagen die lange Fahrt auf mich zu nehmen und wir besuchten im August 2018 die Gletscherlagune Jökulsárlón und den gegenüberliegenden Diamond Beach.

Das mit dem 'früh starten' klappte nicht wirklich. Erst gegen 9:45 Uhr verliesen wir Reykjavík und starteten auf eine abwechslungsreiche Fahrt, die uns immer wieder mit neuen Facette der isländischen Landschaft überraschte. Begonnen mit Hveradalir, den dampfenden Feldern am wunderschönen Hellisheiði Pass. Gefolgt von zahlreichen Wasserfällen und ausgedehnten, landwirtschaftlich genutzten Flächen im Südwesten. Abgelöst vom üppigen Grün und den nebelverhangenen Bergen rund um Vík. Die letzte Etappe führten uns durch die Mondlandschaft des Eldhraun-Lavafeld bevor wir die faszinierende Öde des Skeidararsandur durchquerten und viele Stunden später bei strahlendem Sonnenschein gegen 15:30 Uhr unser Ziel erreichten.

Direkt an der Ringstraße lag der riesige Gletschersee Jökulsárlón (Jökuls-ár-lón = Gletscher-Fluss-Lagune). Eischollen in allen Größen, Formen und Farben trieben gemächlich auf der Oberfläche. Manche in einem satten, tiefen Türkiston, andere schneeweiß, manchmal durchzogen von einem tiefschwarzen Band vulkanischer Asche eines längst vergangenen Vulkanausbruchs. Dazwischen sah man immer wieder Seehunde spielerisch im Wasser ein- und auftauchen während unzählige Küstenseeschwalben sich auf den Eisbergen ein Stück Richtung Meer treiben ließen.

Café und Bootstouren

An diesem sonnigen Augustnachmittag war der Parkplatz gut gefüllt. Besucher wimmelten in und um das ansässige Glacier Laggon Cafe. Entweder um sich nach der langen Fahrt mit kleinen Snacks wie Sandwiches oder Hummersuppe zu stärken oder um Tickets für eine Lagunentour zu erstehen. Diese werden von Frühsommer bis zum Spätherbst angeboten ubd ihr könnt wählen zwischen einer Fahrt mit dem Amphibienfahrzeug vom Typ LARC-V oder einem Zodiac (Schnellboot). Die genauen Zeiträume, Abfahrtszeiten und Kosten findet ihr unter icelagoon.is

Standup Paddling und Kayaking

Stand Up Paddling ist auch in Island ein Trendsport. Touren gibt es beispielsweise bei icelandroadtrip.com. Oder vielleicht doch lieber mit einem Kajak den Eisriesen näherkommen? Hierfür findet ihr Angebote bei adventures.is

Helikopterflüge

Helikopterflüge gibt es natürlich auch. Wer das nötige Kleingeld hat kann sich bei helicopter.is für 345.900 ISK (~ 2.400 Euro) pro Person oder bei volcanoheli.is für 288.900 ISK (~ 1.900 Euro) von Reykjavik zur Gletscherlagune hin, darüber und wieder zurück fliegen lassen (ca. 6H). Günstiger geht es ab dem Skaftafell Airport, Flugvallarvegur 5, 785 Öræfi. Der kleine Flughafen liegt - aus Reykjavík kommend - ca. 60 km vor der Gletscherlagune. Hier startet für ca. 650 Euro ein 2-stündiger Heli-Rundflug: adventures.is

Staunen, Fotografieren und Wandern

Völlig kostenfrei ist der der eigentliche Besuch der Lagune inklusive Benutzung des Parkplatzes und der großzügigen Toilettenanlage. An dieser Stelle einfach einmal ein dickes Dankeschön an alle Isländer und ihre Regierung, dass dies (immer noch) möglich ist!

Sofern man zur touristischen Hauptsaison ankommt, steckt man bei der Ankunft mitten im Gewusel. Ein Reisebus folgt dem nächsten. Menschenströme mit vorgehaltenen Selfiesticks pilgern zum nahegelegenen Hügel. Jeder möchte der Erste am heißbegehrten Instagram-Fotospot sein. Entfernt man sich nur 300-400m von diesem Treiben, kann man dennoch Entspannung und Ruhe finden. Die Wellen plätschern leise gegen die kleinen Kiesel des Strandes. Eisblöcke treiben knarzend vorbei. Manchmal hört man auch den lauten Knall und das Bersten des Eises, wenn wieder einmal ein Stück der Gletscherzunge des Breiðamerkurjökull in den See gleitet. Das ist die Zeit in der es sich lohnt 'einfach nur einmal da zu sitzen und zu staunen'.

Und für all jene unter Euch die nicht nur sitzen sondern sich auch bewegen möchten, empfehle ich eine kleine Wanderung/Spaziergang entlang des 5 km langen Pfades am Ufer von Jökulsárlón. Am einfachsten ist es, ihr parkt dafür auf einem der beiden kleinen Parkplätze ( P1 oder P2) von Reykjavík kommend vor der Lagune. Dort müsst ihr nur noch den kleinen Hügel Richtung Gletschersee überwinden, links abbiegen und dem Pfad (weg vom Besucherzentrum) entlang des Uferrandes folgen.

Diamond Beach

Aus Jökulsárlón transportiert der Jökulsá á Breiðamerkursandi (Gletscherfluss) die jahrhunderte alten Eisblöcke direkt ins Meer. Wer will, kann das Teibeis auf seiner Reise begleiten und das kurze Stück unter der Brücke entlang zum Strand - dem Diamond Beach - zu Fuß gehen. Oder ihr fahrt mit dem Auto ein paar Meter über die Brücke Richtung Reykjavík und parkt sofort wieder links auf dem Besucherparkplatz, direkt vor dem Strand.

Je nach Wind und Wetter, Ebbe oder Flut erwartet euch ein anderes Schauspiel. An manchen Tagen ist der Diamond Beach übersäht mit funkelnden Eissplitter und macht seinem Namen alle Ehre. Die tosende Brandung des wilden Atlantiks bricht die großen Schollen zu kleinen, funkelnden handgroßen Kristallen, die als 'Diamanten' an den tief schwarzen Sand gespült werden. Das ist aber nicht immer so. An anderen Tagen findet ihr riesige, teilweise über 2 m hohe Schollen aus der Lagune. Es kann aber auch passieren, dass ihr vor einem leergefegten, schwarzen Strand steht und euch fragt wovon die Leute eigentlich so schwärmen?

Risiken und Nebenwirkungen

Der Anblick ist atemberaubend und die Versuchung groß sich den Eisschollen zu nähern. Leider wird dabei manchmal das Offensichtlichste missachtet. Eisschollen sind rutschig, instabil und treiben wohin sie wollen, vorzugsweise auf das offene Meer. Judith Streng, eine 77-jährige Amerikanerin ist nur eine der zahlreichen Touristen, die das missachtet haben. Während sie für ihrem Sohn am Strand auf einem thronförmigen Eisberg posierte, erfasste eine Welle das fotografische Arrangement. Blitzschnell war sowohl das Eis als auch Judith weit entfernt vom Ufer. In diesem Fall konnte sie durch professionelle Hilfe gerettet werden. Gut zu wissen ist, dass wer einen Menschen aus der Gletscherlagune retten will, sein eigenes Leben riskiert. Körperwärme geht in kaltem Wasser 25-mal schneller verloren als in kalter Luft. (Videos Verloren auf der Eisscholle und Flutwelle durch das Kalben eines Gletschers)

Strukturen

Ein faszinierendes Schauspiel sind die unterschiedlichen Strukturen des Eises. Das markante Türkisblau entsteht nur, wenn das Eis sehr wenige Luftbläschen enthält, da es im Gletscher unter hohen Druck gestanden hat. Schimmert es im Licht der Sonne jedoch schneeweiß, so ist das genaue Gegenteil passiert: Der Eisberg enthält unzählige, kleine Lufteinschlüsse die für eine Streuung des Lichts sorgen. Sind Blöcke hingegen schwarz durchzogen, so handelt es sich dabei um eingeschlossene Asche einer längst vergangenen Eruption. Taut das Eis am Strand ab, wird es immer dünner, feiner und klarer. An sonnigen Tagen spiegeln sich dann der dunkle, schwarze Strand und der tiefblaue, strahlende Himmel darin.

Fazit

Der Tag im August 2018 war lang. Erst gegen ca. 23.00 Uhr erreichten wir ermattet aber glücklich unser Hotel in Reykjavík. Seitdem war ich noch viele Male in der Lagune. Damals dachte ich, was für ein Glücksfall es sei, Jökulsárlón bei strahlendem Sonnenschein erleben zu dürfen. Mittlerweile schätze ich die mystische Stimmung an nebligen, düsteren Tagen viel mehr. Aber egal welches Wetter, welche Jahreszeit, wie viele Leute - Dieser Ort ist einfach unglaublich - jedes Mal anders - und immer - ohne Ausnahme - einen Besuch wert.

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