Seltún - ein Highlight der Reykjanes Halbinsel

Nur wenige erahnen bei der Ankunft in Keflavík welche beeindruckende Landschaft sich in dieser Gegend verbirgt. Bei der 60-minütigen Fahrt vom Flughafen in die Metropole durchquert ihr unweigerlich diesen Teil Islands. Oftmals bleibt der Weg zurück der einzige Besuch dieses Flecken Erde. Doch die unmittelbar an Reykjavík angrenzende Halbinsel hat viel mehr zu bieten als die Schnellstraße zum Flughafen.

Heiße Quellen bei Krýsuvík

Man fühlt sich unausweichlich in die eigene Kindheit zurückversetzt, als irgendein Scherzbold es witzig fand die Anwesenden mit dem Geruch fauler Eier zu beglücken. Damals kam der Geruch aus Ampullen. Hier ist er 'natürlich'. Während man auf dem Holzsteg das brodelnde und zischende Gebiet erkundet, gewöhnt man sich jedoch allmählich an den Schwefelgeruch.

Es blubbert, brodelt und zischt an allen Ecken
Es blubbert, brodelt und zischt an allen Ecken
Über Holzstege gelangt man sicher durch das geothermische Gebiet
Über Holzstege gelangt man sicher durch das geothermische Gebiet

Mitten in die grüne Landschaft hat die Natur eine, in allen Erdfarben leuchtende, Narbe gerissen. Unter Island driften die eurasische und amerikanische Kontinentalplatte jedes Jahr um 2 Zentimeter auseinander. Die Bruchkante der tektonischen Platten verläuft genau unter der Reykjaneshalbinsel. Immer wieder kommt es dort zu stärkeren Beben. Ende 2019 Anfang 2020 wurden davon mehrere im Krýsuvík Vulkansystem mit dem Zentralvulkan Trölladyngja gemessen. Die vulkanische Aktivität war hingegen im grünen Bereich. Der letzte Ausbruch auf der Reykjaneshalbinsel war im 12ten Jahrhundert. Allerdings zeigt seit dem 28. Januar 2020 der Vulkan Þorbjörn erhöhnte Aktivität und wurde auf die VONA-Warnstufe ('Volcano Observatory Notice for Aviation') 'gelb' gesetzt: Thorbjorn bläht sich auf und bekommt Alarmstufe gelb

Das Gebiet liegt steinbruchartig inmitten der grünen Landschaft
Das Gebiet liegt steinbruchartig inmitten der grünen Landschaft
>Warnung vor den kochend, heißen Quellen
Warnung vor den kochend, heißen Quellen
Erdbebenzentrum (Dezember 2019)
Erdbebenzentrum (Dezember 2019)
Die Vulkane sind im Dezember 2019 'grün'
Die Vulkane sind im Dezember 2019 'grün'

Wer über die aktuellen vulkanischen Aktivitäten auf dem Laufenden bleiben möchte, findet unter der Übersicht isländischer Vulkane, beim Wetteramt oder auf der Seite des Lava Zentrums in Hvolsvöllur Informationen dazu. Bei Letzterer kann man sich optional per E-Mail über Erdbeben benachrichtigen lassen.

kochendes Wasser im Hochtemperaturgebiet Seltún
Kochendes Wasser im Hochtemperaturgebiet Seltún
Die Natur färbt den Boden rostrot, durchzogen von heißen Wasserläufen
Die Natur färbt den Boden rostrot, durchzogen von heißen Wasserläufen
Rund um die Schlammlöcher eine Sinfonie in graublau und weiß-gelb
Rund um die Schlammlöcher eine Sinfonie in graublau und weiß-gelb

Für den Holzstegweg wird man je nach Interesse an den Informationstafeln und Fotopausen zwischen 20 und 30 Minuten benötigen. Will man allerdings den spektakulären Ausblick genießen, sollte man ca. 40 Minuten mehr, gute Schuhe und ein wenig Kondition mitbringen. Am oberen Ende des befestigten Weges führt links ein schmaler Pfad den Hügel hinauf. Meistens sieht man ein paar Leute laufen und bekommt eine Ahnung davon, wie man sich sicher durch das Thermalgebiet Richtung Aussicht zu bewegen hat.

Oben angekommen, kann man sich an der Landschaft gar nicht sattsehen. Hinter dem Geothermalgebiet liegt einer der tiefsten Seen Islands, der Kleifarvatn. Bekannt wurde er 2000, als er nach einem starken Erdbeben ein Fünftel seiner Wassermenge 'verlor'. Der bekannte isländische Autor Arnaldur Indriðason verarbeitete die Geschichte ein 4 Jahre später in seinem Krimi "Kleifarvatn" (deutscher Titel "Kältezone"). Inzwischen hat der See sich wieder erholt und erstrahlt in alter Pracht.

Ein schmaler Feldweg führt den Hügel hinauf - Blick zum Meer und die Seen Grænavatn und Gestsstaðavatn
Ein schmaler Feldweg führt den Hügel hinauf - Blick zum Meer und den beiden Seen Grænavatn und Gestsstaðavatn
Manchmal geht es auch quer durch die ockerfarbene Landschaft - Blick zum Thermalgebiet, dem Besucherparkplatz und dem See Kleifarvatn
Manchmal geht es quer durch die ockerfarbene Landschaft - Blick zum Thermalgebiet, dem Besucherparkplatz und dem See Kleifarvatn

Blickt man auf die andere Seite Richtung Meer liegen zwei mit Wasser gefüllte Explosionskrater vulkanischen Ursprungs. Grænavatn ist bis zu 46 Meter tief und hat eine markante, türkisgrüne Färbung. Sein Leuchten entsteht aufgrund thermischer Algen, welche das Sonnenlicht absorbieren. Gegenüber auf der rechten Seite der Straße Nr. 42 liegt der kleinere See Gests­staða­vatn.

Weites Land soweit das Auge reicht.
Blick vom Hügel Richtung Meer auf das weite Land.

Krisuvik/Seltún Parking, Island 63°53'44.4"N 22°03'07.4"W