Roaming - Die Kostenfalle auf den Färöer-Inseln

Wie man sich dieses Geld bei einem Besuch der Färöer sparen kann

02. September | 2020

Kostenfalle Roaming Färöer-Inseln

Die Färöer-Inseln gehören zu Dänemark

Probleme entstehen oft dadurch, wenn man "glaubt zu wissen". Ich glaubte zu wissen, dass die Färöer-Inseln zu Dänemark gehören. Dänemark ist Mitglied der EU und somit ging ich davon aus, dass auf den Färöer-Inseln erstens die Flatrate meines Mobilfunkanbieters funktionieren und zweitens keine zusätzlichen Kosten entstehen würden.

Beides stellte sich im Nachhinein als komplett falsch heraus.

Die Färöer-Inseln gehören nicht zur EU

Ja, die Färöer-Inseln gehören zu Dänemark. Falsch war die Annahme, dass sie dadurch automatisch zur EU gehören. Das bedeutete leider: Keine EU - Keine EU-Roamingverordnung. In Wikipedia findet ihr dazu:

"Nach dem Vertrag von Fámjin aus dem Jahr 2005 bilden die Färinger, wie auch die Grönländer, eine "gleichberechtigte Nation" innerhalb des Königreichs Dänemark...Die Färöer sind anders als das Kernland Dänemarks nicht Teil der Europäischen Union"

Hinweis: Island gehört ebenfalls nicht zur EU. Die EU-Roaming-Verordnung gilt glücklicherweise dort dennoch, weil Island - offensichtlich im Gegemsatz zu den Färöer-Inseln - zum europäischen Wirtschaftsraum gehört.

Wie äußerte sich die Kostenfalle?

Typisches Merkmal einer Falle ist, dass man sie möglichst lange nicht bemerkt. Bei mir hat es über 5 Tage gedauert bis mir der Zusammenhang vereinzelter, seltsamer Vorfälle klar wurde. Doch der Reihe nach...

Für die Rückfahrt von Island nach Dänemark hatte ich einen Stopover auf den Färöer-Inseln gebucht. Die Fähre legte pünktlich kurz vor 3.00 Uhr morgens in Tórshavn an. Ich schaltete den Flugmodus am Handy aus, bemerkte dass 2 E-Mails erfolgreich abgerufen wurden, freute mich, dass ich wieder online war und fuhr von der Fähre.

Mein erster Versuch über Google herauszufinden, wann denn die Sonne auf den Färöer aufgeht (es war stockfinster - ein Zustand den ich auf Grund der Mitternachtssonne so nicht mehr kannte), scheiterte daran, dass mein Handy keine Internetverbindung bekam. Im Laufe des Tages musste ich feststellen, dass nicht nur die Datenverbindung, sondern auch das Telefonieren nicht funktionierte. Weder konnte ich telefonieren, noch konnte jemand mich anrufen. Digital gesehen war mein Handy "tot" . Glücklicherweise waren die Offline Karten für Google Maps bereits heruntergeladen, so dass zumindest die örtliche Navigation funktionierte.

In diesem digitalen Zombie-Zustand verbrachte ich meinen Aufenthalt auf den Färöer-Inseln, unterbrochen allein durch den Aufenthalt in der Unterkunft mit free WIFI. Auch Ron, der Mitarbeiter bei FONIC, konnte das Problem nicht lösen. Die einzig hilfreiche Information war, dass der Roamingpartner lediglich Telefonie unterstützt und Datendienste nicht angeboten werden.

Wenige Tage später kam ich mit der Smyril Line zurück nach Dänemark auf das europäische Festland. Die SMS, die ich bei Ankunft erhielt, machte mich leicht stutzig. Angeblich konnte meine gebuchte Flatrate mangels Guthaben nicht automatisch verlängert werden. Leicht beunruhigt fragte ich meinen Kontostand ab und wurde mit mickrigen 36 Cent konfrontiert. Die weitere Recherche ergab, dass bei der Ankunft in Tórshavn nachts um 02:59:43 Uhr satte 23,40 Euro für 2 MB Datenabruf abgebucht worden waren.

Die Puzzelteile fügen sich ineinander

Die Kosten von 23,40 € sind sofort bei der Ankunft in Tórshavn entstanden als ich den Flugmodus deaktiviert hatte und die beiden einfachen Text E-Mails erfolgreich abgerufen wurden. Danach war mein Guthaben aufgebraucht und es gab "nichts mehr zu holen".

Aktiv Telefonieren und Surfen konnte ich nicht, weil meine Flatrate auf den Färöern nicht galt und kein Geld mehr auf der Prepaid-Karte war. Aus diesem Grund konnte ich auch nicht angerufen werden. Bei einem Anruf fallen auf den Färöer Kosten in Höhe von 99ct pro Minute an. Auch diese waren nicht mehr gedeckt.

Mich hat diese Erfahrung - dank Prepaid-Karte - 23,40 € gekostet. Selbst bei minimaler Nutzung kann man bei Preisen von 1,20 €/ 100 kB (Taktung 100 kB) bei FONIC schnell im 4-stelligen Bereich landen. Die Preise variieren zwar von Anbieter zu Anbieter sind aber ähnlich hoch. Das Anhören eines Songs bei Spotify kostet beispielsweise in dieser Preisklasse rund 50 €

Angeblich gibt es für die Nutzung von mobilem Internet eine Obergrenze von 60 €. Ist diese erreicht soll eine automatische Sperre vor weiteren Kosten schützen. Ich persönlich konnte nicht herausfinden, ob dies erneut nur innerhalb der EU greift oder weltweit gilt. Im Widerspruch zu dieser Sperre stehen die zahlreichen Erfahrungsberichte bei denen Reisende teilweise 5-stellige Beträge bezahlen mussten. Doch wie kann man sich schützen?

Vermeiden der Roaming-Kostenfalle

  1. Immer VOR einem Besuch die Ländergruppe in der Auslandspreisliste des eigenen Mobilfunkanbieters (ist bei jedem anders) und die damit verbunden Preise ermitteln.
  2. Sollte es sich um ein Land der Ländergruppe 2 oder 3 handeln, überprüfen, ob der Provider eine spezielle Flatrate für das Land anbietet.
  3. Wenn es keine Flatrate gibt, sollte man die mobile Datennutzung am Handy deaktivieren (Gebrauchsanleitung). Dadurch kann man noch selbst telefonieren und angerufen werden, aber die Nutzung des Internets ist unterbunden.
  4. Will man sich auch zusätzlich vor eingehenden, teuren Anrufen von Verwandten oder Freunden schützen, ist es am besten den Flugmodus des Handys zu aktivieren.
  5. Wichtig ist auch zu überprüfen, ob man sich beim Besuch des Ziellandes eventuell in einer Grenzregion zu einem anderen Land bewegt. Wenn ja, sollte man auch die Ländergruppe des Nachbarlandes zu kennen. Hier kann es ebenfalls zu kostenintensiven Besuchen kommen, wenn sich das Handy unbemerkt in das teure Nachbarnetz (z.B. Schweiz) einbucht. Um das zu vermeiden, kann man die automatische Netzwahl auf manuelle Netzwahl umstellen (Gebrauchsanleitung).
  6. Beliebt ist auch die Kostenfalle "Fähre" . Eines der Negativbeispiele sind die Fährschiffe nach Norwegen der Reederei "Color Line". Ein Mitreisender nach Island war selbst davon betroffen. Er erzählte, dass er trotz Rechtsstreit 900€ für ein wenig Surfen (keine Musik/Keine Videos) bezahlen musste. Das Problem ist, dass die EU-Roaming-Verordnung nur auf dem Festland greift. Auf See gibt es preisgestalterische Freiheiten des Telekommunikationsanbieters. Am sichersten ist es auf einer Fähre das Handy in den Flugzeugmodus zu versetzten oder ganz auszumachen. Im Falle der Color Line sogar noch bevor ihr an Bord geht. Alternativ sollte es auch reichen die mobile Datennutzung am Handy zu deaktivieren bzw. die automatische Netzwahl auf manuelle Netzwahl umstellen und ein sicheres, bekanntes Netz zu wählen.

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